Schnullerfrei

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Der Babyzwerg hat keinen Schnuller!
Fast kann ich die Entrüstungsschreie durch die Weiten des Internet hören! Immer wieder muss ich erklären, dass mein Baby keinen Schnuller hat und dass er ein glückliches Baby ist.. Scheinbar können Babys in unsere Gesellschaft nicht ohne Schnuller aufwachsen. Bei der Rückbildung verursachte diese Tatsache wöchentlich Diskussionen. Spätestens wenn der Babyzwerg weint, wissen alle: das liegt am fehlenden Schnuller!
Nur warum ist das so? Was haben Babys denn gemacht, bevor der Plastikpfropf erfunden wurde?
Am Anfang meines Mamadaseins dachte ich auch, es geht nicht ohne. Ich war zutiefst enttäuscht, dass diese Dinger aus Plastik sind und ich so etwas meinem Baby in den Mund stecken muss, aber ich habe brav den ersten Schnuller der Zwergin gekauft. Die Zwergin fing an zu würgen und hat das Ding im hohen Bogen ausgespuckt. Da sie aber die ersten Wochen eher ein schlecht zu beruhigendes Baby war, glaubte ich all den Ratschlägen und versuchte es mit diversen Formen und Varianten des Plastikstöpsels… immer mit dem gleichen Ergebnis! Die Zwergin hatte ein Lieblingsspielzeug, das ausgiebig benuckelt wurde, aber der Schnuller verursachte jedes mal Würgereize. Soviel dazu! Trotz aller Ratschläge haben wir aufgehört, ihr das Ding in den Mund zu stecken.
Die Zwergin fing sehr früh an zu reden und ist bis heute sprachlich sehr weit. Ob das am fehlenden Schnuller liegt, kann ich nicht sagen, aber ohne Zweifel hat sie viel Zeit gehabt, das Sprechen zu üben, während andere in ihrem Alter damit beschäftigt waren, am Plastikpfropf zu saugen.
Nach den Erfahrungen mit der Zwergin und einiges an Selbstbewusstsein in der Kindererziehung weiter, entschieden wir uns ganz gegen den Schnuller für den Babyzwerg. Allerdings machte er uns die Sache schwerer. Er ist ein extremes Nuckelbaby. Klar, ich stille, aber auch das geht nicht immer.
Der Zwerg spricht kaum, und wenn es nach ihm gehen würde, würde er die Zeit, die er zum Sprechen nützen könnte, wohl eher mit Nuckeln verbringen:-) Aber trotz allem haben wir es auch hier weiter ohne versucht und trotz seinem teils gerade Nachts sehr starken Nuckelbedürfniss, das mich viele schlaflose Stunden gekostet hat, habe ich nicht das Gefühl, dass ihm wirklich etwas fehlt oder er sich nicht altersgemäß entwickelt.
Wir haben einige Zeit gebraucht, um für ihn das passende Nuckelteil zu finden. Die selbst genähte Giraffe ist aus Baumwollstoff und sehr fest mit Schurwolle ausgestopft. An den Beinen wird fest herumgekaut, der lange Hals ist perfekt zum Greifen und die Schnauze wird ausgiebigst benuckelt.
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Und so hat, ganz zum Entsetzen der Rückbildungshebamme und vielen anderen, unser Zwerg keinen Schnuller! Und es geht ihm sehr gut dabei:-)
Und wenn es denn dann kein Nuckeltier sondern wirklich ein Schnuller sein soll, gibt es tolle Schnuller aus Naturkautschuk!

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  1. Mein Bruder und ich sind beide auch ohne Schnuller aufgewachsen, wir hatten im Vergleich zu Gleichaltrigen bis heute kaum Zahnprobleme und zumindest mein Bruder hat auch sehr früh angefangen zu sprechen. Die Giraffe ist jedenfalls ein sehr niedlicher Ersatz 🙂

  2. Oh ja! Diese Gespräche kenne ich…

    Unsere Kinder wollten beide keinen Schnuller (wir haben wirklich viele verschiedene Schnuller angeboten). Ich habe es allerdings auch nicht eingesehen meinem Kind einen Schnuller aufzudrängen und es schnell wieder aufgegeben. Das war natürlich „falsch“….

    Ich habe beruflich viel mit Eltern von Neugeborenen zu tun und musste leider feststellen, dass vielen Eltern geraten wird ihrem Kind den Schnuller so lange anzudrehen bis diese quasi „aufgeben“. Es gibt anscheinend viel mehr Babys die keine Schnuller mögen als ich vorher dachte.

    Frau lernt doch nie aus 🙂

    Ich bin jedenfalls sehr froh, dass meine Zwerge die Dinger nicht wollten. Es ging auch ohne (obwohl ich schon hin und wieder neidisch war, wenn im Supermarkt ein Baby in zwei Sekunden mit Schnuller „ruhig gestellt“ wurde.) Aber bei uns sollte es nicht sein und auch die sehr intensiven Nuckel-Zeiten haben wir gut überstanden.

    Liebe Grüße
    Vivien

    • Unser Kinderarzt riet mir sogar dazu, den Schnuller mit Sab simplex zu träufeln, da ist Zucker drin und dann bleibt er besser im Mund…:-0 Gott sei dank war die Zwergin da kompromisslos, sonst hätte ich das am Ende noch durchgezogen…
      Viele Grüße

      • Das habe ich auch schon oft gehört…Ohne Worte…
        Was hat man nur gemacht als es noch keine Schnuller gab…muss ja furchtbar gewesen sein für die armen Babys 😉

  3. Also ich fühl mich grade echt sonderbar, bei mir und meinen zwei Geschwistern gabs nie Schnuller. Daumen sind auch viel praktischer: fallen nicht runter, muss nicht gesucht werden, kann man gut sauber machen, wird nie vergessen und schiefe Zähne hat bei uns keiner, nicht mal Zangspange hatten wir. Also wenn er mal wieder nuckeln mag 😉

    Liebe Grüße

    • Die Finger sind lustigerweise bei beiden auch nicht gerade gern gesehenes Nuckelobjekt:-) keiner der beiden Zwerge hat sich freiwillig den Finger zum Nuckeln genommen… mal drauf rumkauen, wenn die Zähne kommen ja, aber sonst…
      Viele Grüße

  4. Dankeschön!
    Ich musste mir auch so einige Male anhören, was ich dem Kind vorenthalte. Es braucht nen Schnuller. Es braucht Wegwerfwindeln. Es braucht dieses-und-jenes-Förderspielzeug. Einen Lauflernwagen. Ich befürchte, solche „gutgemeinten“ Ratschläge werden auch nicht aufhören.
    Ich fand und finde es auch komisch, dem Kind einen Plastikklumpen in den Mund zu schieben. Nach den ersten Wochen haben wir (ahnungslosen Eltern) in einer verzweifelten Nacht dann auch mal einen Schnuller probiert. Und hatten Gewürge als Reaktion. Irgendwie hat mich das beruhigt. Auch wenn ich manchesmal die Mütter beneidete, die einfach den Stöpsel reinschoben und dann ihre Ruhe hatten. Später erfuhr ich aber, dass man Kindern den Schnuller „angewöhnen“ muss. Je früher desto besser. Am Besten gleich von Anfang an (und heimlich, weil Krankenschwestern und Hebammen das nicht gerne sehen). Genauso wie ja auch Windeln bzw. das Pinkeln ohne Bescheidgeben erst angewöhnt wird… um es später wieder mühevoll loszuwerden.
    Ich denke es gibt auch Unterschiede zu machen. Das Ding kann sicher manchmal hilfreich sein. Vielleicht entlasten aber auch dem Kind wohltun, für einen Moment. Aber eben nicht als Dauerstöpsel. Und auf den Stress mit immer-dabei-haben, waschen wenn er runterfällt, geweckt werden weil er nachts aus dem Mund geplumpst ist verzichte ich natürlich auch gerne.
    Und in ausdrucksvolle Babygesichter zu schauen, hach, so lieb!

    • Oh ja, manchmal wäre so ein Stöpsel schön 😉 rein damit und Ruhe ist!
      Aber irgendwie überwiegt dann auch wieder das Gefühl, was ich meinem Kind denn damit zeigen will… ist ja irgendwie wie Mund zuhalten. Zumindest wird es leider oft so verwendet!
      Klar, für manche Babys und die Nerven der Mama ist ein Schnuller manchmal richtig eingesetzt ein Segen! Leider ist er aber oft eben eher der Stöpsel, der dem Kind den Mund verschließt… hier ist bei einigen Kindern mittags, wenn sie vom Kindergarten (also Kinder über 3) abgeholt werden der erste griff der Mutter der zum Schnuller- ab in den Mund, und dann gehts nach Hause… dann muss ich natürlich nicht die ganzen Erzählungen und das Gejammer anhören, was heute wieder so alles los war… traurig manchmal!
      Viele Grüße

  5. Mein Sohn (Zweitgeboren) ist auch ohne Schnuller aufgewachsen.

    Ich war sehr froh darüber und es hat auch nur ein einziges Mal ein Problem gegeben. Als er nämlich wegen Husten ins Krankenhaus musste und sehr unruhig und quengelig war. Ich ging zur Schwester und habe gesagt, dass etwas nicht stimmt mit ihm und wurde nicht ernst genommen. Das liegt ja nur daran, dass er keinen Schnuller hat, war die Aussage. Und ich wurde als Rabenmutter hingestellt, ganz furchtbar!

    Eine Stunde später habe ich mich noch einmal verzweifelt an eine andere Schwester gewendet und nicht locker gelassen. Es hat sich herausgestellt, dass er einen Darmverschluss hatte. Soviel dazu! Ist das nicht entsetzlich?

    Schreien ist halt (beinahe) die einzige Ausdrucksmöglichkeit für ein Baby von ca. 12 Wochen!

    Meine Tochter wurde mir als Erstgeborene mit Schnuller „geliefert“. Ich wusste es bei ihr nicht besser und sie hat eine gewaltige Zahnfehlstellung davon bekommen. Ich würde nie wieder einen Schnuller geben!

    lg
    Maria

    • Ich habe im KH auch gleich mal den ersten Schnuller bekommen, kurz nach der Geburt ( und eine Flasche und Milchpulver!) Seltsame Signale, die da gesendet werden an unerfahrene Eltern! Dass das Weinen des Kindes am fehlende Schnuller liegen muss und nicht daran, dass etwas nicht stimmt‘ kenne ich! Gott sei dank konnte ich mich immer auf mein Gefühl verlassen, aber man braucht schon ein dickes Fell, wenn man dem Arzt erklärt, dass man dem Kind nicht schadet, weil es keinen Schnuller hat, sondern das Kind krank ist!!!
      Und ja, wie soll sich ein Baby denn verständigen, wenn nicht über weinen?
      Viele Grüße

  6. Was mir dazu noch einfiel: Kennst Du den franz. Dokumentarfilm „Babys“? Dort steckt die mongolische Mutter ihrem Säugling ein Stück Robbenfett mit Stöckchen durch, gegen Verschlucken, in den Mund. Eine plastifreie (und nahrhafte) Alternative… ;o)

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