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Keine Probleme?

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Hast du denn sonst keine Probleme? Du hast halt sonst nichts zu tun!…

Aussagen, die ich oft zu hören bekomme.

In den letzten Monaten haben mich diese Aussagen oft sehr runter gezogen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, das, was ich da mache, bringt sowieso nichts.

Aber ich habe auch immer wieder Menschen getroffen, die mir gezeigt haben, dass es eben doch etwas bringt!

So wie z.B. Christina, eine Erzieherin aus der Nähe von München. Sie hat letztes Jahr mein Interview im Greenpeacemagazin gelesen und daraufhin beschlossen, selbst etwas zu ändern, etwas zu tun. Während eines tollen Projektes in ihrem Kindergarten entstanden beeindruckende Collagen, und letzten November organisierte sie einen Vortrag, zu dem ich als Referentin eingeladen wurde, um über meinen plastikfreien Alltag zu berichten.

Treffen wie das mit Christina haben mir gezeigt, es ist es wert, weiter zu machen, auch und gerade wegen Kommentaren wie oben genannten.
Immer wieder werde ich darauf angesprochen, dass plastikfrei und müllreduziert ja nur geht, wenn man Zeit hat…
Auch Aussagen wie “ Du bist ja daheim!“ oder „Ich arbeite, dazu habe ich keine Zeit“ höre ich immer wieder.
Als ich vor 7 Jahren mit der Zwergin schwanger war, habe ich angefangen, wo möglich, Giftstoffe aus unserem Leben zu verbannen. Schritt für Schritt hat sich unser Leben verändert. Ich habe begonnen, die Babyausstattung second hand zu kaufen, da dann die schädlichen Stoffe bereits herausgewaschen wurden. Stoffwindeln wollte ich schon immer verwenden, das war schon lange klar. Da ich aber auch hier irgendwo anfangen musste, habe ich auch die gebraucht gekauft, und nach und nach die die für uns nicht funktionierten wieder weitergegeben, bis ich unser jetziges funktionierendes System gefunden habe.
Feuchttücher- klar, die fielen auch wegen der enthaltenen Inhaltsstoffe weg! Und auf der Suche nach Alternativen kam ich immer mehr auf den Geschmack von wieder verwendbaren Hygieneartikeln und bald versuchte ich auch andere Wegwerfartikel mit langlebigen Produkten zu ersetzen.
Nachdem ich meinem Baby “ zumutete“ , gebrauchte Kleidung zu tragen, war es nun auch für mich selbstverständlich! Und je mehr ich versuchte, Einwegprodukte, Verpackung und Neukauf zu vermeiden, umso mehr rückte auch Plastik in meinen Fokus.
Ich begann wieder in Teilzeit zu arbeiten. Während ich hin und her rotierte zwischen Kind, Beruf und Haushalt, war ich nun fast täglich beim Einkaufen auf der Suche nach plastikfreien Produkten. Klar, das kostete Zeit, aber ich habe immer nur einzelne Dinge ersetzt und so Stück für Stück kleine Änderungen in unseren Alltag integriert. Immer mehr habe ich dabei auch Dinge selbst gemacht. Dann hat sich der Zwerg angemeldet, und da viele Dinge bereits zur Routine geworden sind, hatte ich wieder etwas Zeit, um Neues auszuprobieren und Dinge selbst herzustellen. Während dieser Schwangerschaft und der Zeit danach wurde es mir immer wichtiger, Dinge nicht mehr zu kaufen sondern nach DIY oder Second hand Alternativen zu suchen.
Ich habe begonnen, diesen Blog zu schreiben, um Gleichgesinnte zu finden, Ideen zu teilen und vielleicht sogar den einen oder anderen zu inspirieren, selbst zu beginnen, etwas zu ändern.

All das habe ich immer wieder geschafft! Und das ist es wert, weiter zu machen!
Durch den Blog angeregt und motiviert habe ich immer wieder Neues ausprobiert, den Austausch im Netz empfinde ich nach wie vor als sehr motivierend und anregend!
Nun zurück zur Ausgangsfrage.

Ja, ich habe genug andere Probleme! Und ja, ich habe viel anderes zu tun!
Auch ich habe oft zu wenig Zeit!
Mein Alltag ist ein hin und her zwischen Beruf, Kindern, Haustieren und Haushalt, und oft bin ich so müde, dass ich mit den Zwergen gemeinsam einschlafe.

Im Alltag entstehen regelmäßig Probleme, um deren Bewältigung ich mich kümmern muss. Aber nichts davon wiegt so schwer, dass ich es als Ausrede benutzen könnte, um nicht weiter zu versuchen, Plastik zu verweigern, Müll zu vermeiden und unseren Konsum kritisch zu hinterfragen.
Plastikfreies Leben hat nichts mit besonders viel Freizeit oder besonders wenig Problemen zu tun!
Mir ist dieses Leben aber wichtig, und so schaffe ich mir Zeit dafür, plastikfreie Alternativen zu finden und auszuprobieren- Zeit, die andere vielleicht anders nutzen, mit anderen Hobbys füllen!

Im Alltag ist dieses Leben sicherlich mit Aufwand verbunden.

Aufwand, der allerdings immer nur so lange zusätzliche Zeit fordert, bis sich die neuen Verhaltensweisen im Alltag eingespielt haben.

Etwas zu verändern oder eben nicht, hängt nicht davon ab, wieviel Zeit oder Probleme ich habe. Ich muss wollen!

Es hängt davon ab, wie bequem ich es mir machen will in meinen eingelaufenen Ritualen, oder ob ich gewillt bin, etwas Neues zu probieren und zu versuchen, dieses Neue wieder zu Alltag werden zu lassen.
Bei diesem Vortrag kam als Argument immer wieder, „keine Zeit“ oder „zu teuer“. Ich habe bewusst versucht, so viele Tipps wie möglich weiter zu geben, die wenig Zeit veranschlagen und / oder kaum etwas kosten.

Plastikfreies und müllreduziertes Leben ist auch mit Familie, mit Haushalt und Job machbar, sofern ich eben etwas ändern will.

Und so werde ich auch weiterhin die Zeit haben, mit den Zwergen im Wald Kräuter zu sammeln, Gemüse zu pflanzen, Badesalz und Cremes herzustellen oder Spielzeugwünsche zu basteln.

Wer meinen Blog verfolgt, dem ist sicherlich nicht entgangen, dass hier in den letzten Monaten wenig los war…

Dafür war im Alltag umso mehr los… Ich habe immer wieder gekämpft mit mir, inwiefern es überhaupt sinnvoll ist, so zu leben wie wir es tun… Ich habe mir viele Gedanken gemacht, über Aussagen wie“ Das bringt doch nichts!“, „Du hast halt keine Probleme!“ und ähnliche…

Und letztlich bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es sehr wohl etwas bringt. Dass ich weiter machen möchte und muss…

Und dass ich wieder aufhören muss, mich in meinen ausgelaufenen Pfaden auszuruhen…
Und alles, was ihr hier seht, alles wovon ihr hier lest, ist das Ergebnis eines langjährigen Prozesses, einer Entwicklung, die nun bereits seit mehr als 7 Jahre dauert.

Die letzten Monate hat diese Entwicklung aber sehr stagniert. Nun bin ich also zu dem Entschluss gekommen, es geht weiter! Ich bin noch lange nicht am Ende angekommen!

Klar wird es momentan vielleicht wieder etwas ungemütlicher werden, wenn ich versuche, neue Verhaltensmuster zu etablieren, aber sobald sich diese wieder in den Alltag integriert haben, werden auch diese Neuerungen wieder kein Problem mehr sein.

Und um mir erst einmal wieder klar zu werden, wo wir denn überhaupt stehen, habe ich ein Gespräch zum Anlass genommen, im Februar Inventur zu machen.

Silvia von Gruenerwirdsnimmer und ich wollen gemeinsam ab 1.2. unseren Verpackungsmüll sammeln. Letztlich soll dieser als Anschauungsmaterial für eine Ausstellung dienen, die Studenten planen.

Ich nehme dieses Vorhaben nun aber als Anlass, wieder genau hinzusehen, wo ich noch etwas besser machen kann. Und ich nehme es als Anlass, meine Plastik- und Müll- Lethargie zu überwinden und neue Verhaltensweisen einzutrainieren.

Und selbstverständlich werde ich hier wieder regelmäßig berichten!

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Abschied

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Vor ein paar Wochen ist mein Papa gestorben.
Einfach so… ohne Anzeichen, ohne Krankheit. In der Früh hat das Telefon geklingelt, und meine Mama sagte mir, ich solle schnell kommen, der Notarzt versucht ihn gerade wiederzubeleben…
Ich kam gerade an, als der Notarzt kopfschüttelnd das Schlafzimmer meiner Eltern verließ.
Plötzlich, einfach so blieb sein Herz stehen. Seine Zeit war wohl abgelaufen.
Es ist einfach seltsam ohne ihn! Er fehlt bei allem, was ich so tue! Er hat mir so viel beigebracht! Viele meiner Werte habe ich von meinem Papa! Er hat mich immer daran erinnert, dass alle Menschen gleich sind und jeder eine Chance verdient hat! Und er war immer für mich da, wenn ich ihn brauchte….
Die Zwerge lieben ihren Opa! Besonders der Zwerg hat vom Tag seiner Geburt einen ganz besonderen Draht zu ihm! Die beiden verstanden sich immer ohne Worte, nur durch einen Blick! Beeindruckend, zuzuschauen, wie sie stundenlang nur da sitzen und ihre Gegenwart genießen konnten!
Und plötzlich ist alles anders!
Da er so plötzlich starb, hatten wir uns natürlich vorher auch keine Gedanken darüber gemacht, wie die Beerdigung wohl ablaufen könne.
Und für viele Dinge blieb auch einfach keine Zeit, um zu recherchieren und Alternativen zu finden. Und dann hatte ich auch einfach nicht den Kopf dafür, mich z.B. über Särge zu informieren.
Trotz allem gab es aber einiges, das zu erledigen war und für das ich Alternativen gefunden habe.
So haben wir kein neues Kreuz für das Grab gekauft, sondern das von meiner Tante bekommen. Nachdem später einmal der Grabstein steht, wird das Kreuz nicht mehr gebraucht, und nachdem man es kaufen muss, steht das bei älteren Leuten oft noch irgendwo herum. Meine Tante hat uns nun also ihres angeboten, und ich finde den Gedanken sehr schön, nicht jedes mal ein neues zu kaufen, sondern das Holzkreuz von einer geliebten Person zur nächsten weiterzugeben.
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Statt dem schwarzen Polyesterschal, der meistens über das Kreuz gehängt wird, haben wir einen Kranz gebunden, den wir um das Kreuz herum gewunden haben. Zur Beerdigung noch herbstlich mit Kastanien, zum Advent habe ich dann einen mit Hagebutten daran gebunden.
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Die üblichen Trauergestecke mit den bedruckten Plastikschärpe kamen für mich nicht in Frage. Hier hat mir unsere Floristin weitergeholfen und mir große Blätter besorgt, die ich mit Goldstift beschriftet habe. Auf diese Art war nicht nur Platz für all unsere Namen, sondern auch für zwei Sprüche, die uns wichtig waren, so z.B ein Zitat aus dem Kleinen Prinz, einem der Lieblingsbücher meines Papas.
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Der Blumenschmuck selbst war eine bepflanzte Keramikschale, die immernoch steht, während der Kranz, der gebracht wurde schon längst verblüht und weggeräumt ist.
Die Blätter haben den Herbst und die ersten Frostnächte super überstanden, nach wie vor ist die Goldschrift super zu lesen, während die Blätter selbst in Würde altern und einfach ihre Farbe von dunklem Grün hin zu rotbrau geändert haben. Nach und nach fangen sie nun an, zu schrumpeln und bekommen braune Stellen, aber auch nach drei Monaten sind sie noch schön anzuschauen.
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Für die Beerdigung wollte die Zwergin eine Kerze machen, die in der Kirche und im Anschluss zu Hause brannte. Hierfür haben wir Wachsreste verwendet, die wir zugeschnitten und teils geknetet auf eine große Kerze geklebt haben. Für die Zwergin war diese gemeinsame Bastelarbeit sehr wichtig, und sie hat sich bewusst für einen Engel als Motiv entschieden, der im Himmel auf den Opa und hier unten auf die Oma aufpassen soll.
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Wir haben die letzten Wochen viel mit reden, weinen und gemeinsamem an den Opa denken verbracht und es ist nicht immer einfach, mit einer 4- jährigen das alles aufzuarbeiten.
Die Zwergin hat viel für den Opa gemalt und gebastelt und bringt das dann regelmäßig aufs Grab. Wichtig war ihr eine herzförmige Blumenschale aus Ton, die sie selbst immer wieder neu bepflanzen kann. Die wird regelmäßig umdekoriert, z.B. mit gemalten Herzen auf dickes Tonpapier, an die wir Schaschlikspieße geklebt haben, damit sie gut in die Schale zu stecken sind. Anstatt einer Schleife hat die Zwergin zwei Muscheln mit den Namen der Zwerge beschrieben und in die Schale gelegt, da der Opa so gerne noch einmal ans Meer wollte…
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Nach wie vor bin ich auch auf der Suche nach einer müllfreien Grablicht- Variante. Momentan bin ich bei großen Lichtern im Glas gelandet, die ich wieder neu befülle, allerdings ist das sehr zeitaufwendig und auf Dauer nicht praktikabel…
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